
von Levin Schücking
Die schwarz-weisse Perle ist ein historischer Roman, der Vergangenheit nicht bloß als malerische Kulisse, sondern als moralisch und gesellschaftlich aufgeladenen Erfahrungsraum begreift. Levin Schücking verbindet erzählerische Spannung mit kulturgeschichtlicher Beobachtung: private Leidenschaften, Standesgrenzen und politische Interessen werden in einer Prosa entfaltet, die dem realistischen Erzählen des 19. Jahrhunderts verpflichtet bleibt, zugleich aber die romantische Vorliebe für Geheimnis, Symbol und Kontrast bewahrt. Der Titel deutet bereits auf ein Spiel von Gegensätzen hin, in dem Schönheit, Wert und Fremdheit mehrdeutig werden. Schücking, 1814 in Westfalen geboren, gehörte zu jenen Autoren, die zwischen Journalismus, Literaturbetrieb und regionaler Geschichtserkundung vermittelten. Seine Nähe zu Annette von Droste-Hülshoff, seine publizistische Erfahrung und sein ausgeprägtes Interesse an historischen Stoffen prägten seine Erzählkunst. Gerade die Verbindung von archivalischem Sinn, gesellschaftlicher Beobachtung und erzählerischer Beweglichkeit erklärt, weshalb er den historischen Roman als Form wählte, um Konflikte seiner eigenen Gegenwart im Spiegel früherer Zeiten sichtbar zu machen. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die historische Romane nicht nur wegen ihrer Handlung, sondern wegen ihres Blicks auf Mentalitäten, Machtverhältnisse und literarische Form schätzen. Die schwarz-weisse Perle bietet eine anregende Begegnung mit einem heute zu wenig gelesenen Erzähler des deutschen 19. Jahrhunderts.
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