
von Albin August Helmut Möller, Hella Skorupa u. a.
Die Sklavin entfaltet als dramatisches Bühnenwerk ein spannungsreiches Modell von Herrschaft und Abhängigkeit: Sklaverei erscheint nicht allein als äußeres Rechtsverhältnis, sondern als seelische, erotische und gesellschaftliche Bindung. Fulda verbindet präzise Dialogführung mit psychologischer Zuspitzung und einer klar formbewussten Szenenökonomie. Im literarischen Kontext des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts steht das Stück zwischen bürgerlichem Problemdrama, spätrealistischer Gesellschaftskritik und jener eleganten Bühnensprache, die moralische Konflikte eher durch Konversation als durch bloßes Pathos sichtbar macht. Ludwig Fulda, 1862 in Frankfurt am Main geboren, war Lyriker, Dramatiker, Übersetzer und eine zentrale Figur des modernen deutschen Theaterlebens. Seine Nähe zur Freien Bühne, seine Auseinandersetzung mit französischer Komödientradition und sein liberal-humanistischer Bildungshorizont prägten sein Interesse an Freiheit, Würde und sozialer Rolle. Als jüdischer Autor im deutschen Kulturbetrieb wusste Fulda zudem um die Fragilität gesellschaftlicher Anerkennung. Empfohlen sei Die Sklavin allen Lesern, die ein historisch aufschlussreiches, formal diszipliniertes Drama suchen. Das Werk belohnt besonders jene, die Machtverhältnisse nicht nur politisch, sondern auch sprachlich und psychologisch untersucht sehen möchten.
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