
Die Theodicee, erstmals 1710 als Essais de Théodicée veröffentlicht, untersucht die Vereinbarkeit von Gottes Güte, menschlicher Freiheit und dem Ursprung des Übels. Leibniz antwortet darin vor allem auf Pierre Bayles skeptische Einwände und entfaltet seine berühmte Lehre von der "besten aller möglichen Welten". Der Stil verbindet scholastische Distinktion, juristische Argumentationskunst und frühaufklärerische Systematik; theologisch, metaphysisch und moralphilosophisch steht das Werk an der Schwelle zwischen Barockgelehrsamkeit und rationalistischer Aufklärung. Gottfried Wilhelm Leibniz, Philosoph, Mathematiker, Jurist, Historiker und Diplomat, war zeitlebens bemüht, konkurrierende Wissensordnungen zu versöhnen. Seine Erfahrungen in konfessionell zerrissenen europäischen Höfen, seine Beschäftigung mit Naturwissenschaft und Logik sowie seine ausgedehnte Korrespondenz mit Gelehrten prägten das Anliegen dieses Buches. Die Theodicee ist daher nicht nur ein Gottesbeweis, sondern Ausdruck eines umfassenden Programms: Vernunft, Glauben und Weltordnung in ein kohärentes System zu bringen. Empfohlen sei dieses Werk allen, die die großen Fragen nach Freiheit, Verantwortung, Leid und göttlicher Gerechtigkeit nicht nur historisch, sondern argumentativ durchdringen möchten. Trotz seiner anspruchsvollen Begrifflichkeit bleibt Leibniz' Text ein Schlüsselwerk der europäischen Geistesgeschichte und ein unverzichtbarer Zugang zum Optimismus der Aufklärung.
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