
von Gustav Freytag
Die verlorene Handschrift entfaltet die Suche nach einem verschollenen antiken Manuskript als gelehrte Abenteuerhandlung und zugleich als Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts. Gustav Freytag verbindet philologische Detektivarbeit, universitäre Satire, Liebes- und Bildungsgeschichte mit dem präzisen Realismus seiner Epoche. Im Kontext des bürgerlichen Realismus erscheint Wissenschaft nicht als abstraktes Ideal, sondern als Lebensform, die Charakter, Moral und soziale Ordnung prüft. Freytag, 1816 in Kreuzburg geboren und als Dramatiker, Journalist und Kulturhistoriker hervorgetreten, kannte die geistigen Institutionen seiner Zeit aus nächster Nähe. Seine Tätigkeit als liberaler Publizist und sein Interesse an deutscher Vergangenheit, sichtbar auch in seinen kulturgeschichtlichen Arbeiten, erklären die Verbindung von historischer Stofflichkeit und zeitgenössischer Diagnose. Das Buch spiegelt seine Überzeugung, dass nationale Kultur aus Bildung, Arbeitsethos und geschichtlichem Bewusstsein erwächst. Empfohlen sei dieser Roman allen Lesern, die historische Gelehrsamkeit nicht als trockene Zutat, sondern als Motor erzählerischer Spannung schätzen. Die verlorene Handschrift bietet ein reiches Bild akademischer Milieus, feine Ironie und eine ernsthafte Reflexion über den Wert des Überlieferten. Wer Fontane, Keller oder die realistische Prosa des 19. Jahrhunderts liest, findet hier ein bedeutendes, klug komponiertes Werk.
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