
von Carolyn Wells
Die weiße Gasse ist ein klassischer Detektivroman der amerikanischen Rätselkrimi-Tradition, in dem ein rätselhafter Schauplatz zum Mittelpunkt kriminalistischer und gesellschaftlicher Deutung wird. Carolyn Wells verbindet eine kunstvoll angelegte Indizienhandlung mit pointierten Dialogen, eleganter Milieubeobachtung und jener Logik des Verdachts, die den frühen angloamerikanischen Whodunit prägt. Der Roman steht im Umfeld der Golden-Age-Vorläufer: weniger psychologischer Abgrund als intellektuelles Spiel, doch mit feinem Gespür für Schein, Status und verborgene Motive. Carolyn Wells (1862-1942) war eine außerordentlich produktive amerikanische Autorin, die Lyrik, Humor, Kinderliteratur und vor allem Kriminalromane schrieb. Ihre Beschäftigung mit Rätselstrukturen, Wortwitz und literarischer Form prägte auch ihre Detektivfiktion. Die Popularität analytischer Ermittlerfiguren und ihr Interesse an gesellschaftlichen Maskierungen dürften wesentlich zur Entstehung dieses Romans beigetragen haben. Empfohlen sei Die weiße Gasse allen Leserinnen und Lesern, die klassische Detektivliteratur in ihrer frühen, formbewussten Gestalt schätzen. Wer Freude an sorgfältig platzierten Hinweisen, kultivierter Spannung und historischem Krimiflair hat, findet hier ein ebenso unterhaltsames wie literaturgeschichtlich aufschlussreiches Werk.
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