
von Ariane Martin
Erstmals werden die oft konstatierten antisemitischen Ressentiments der Leutnantsfigur in Schnitzlers berühmter Novelle "Lieutenant Gustl" (1900) zusammenhängend in ihrem Bezugsnetz analysiert. Die Entstehungsgeschichte wird ebenso berücksichtigt wie Schnitzlers Selbstverständnis als Jude und der Skandal, den der Erstdruck zur Folge hatte. Im inneren Monolog erzählt, erweist sich der kunstvoll komponierte Text als ein Schlüsselwerk ‚jüdischer‘ Literatur, das erzähltechnisch versiert und gesellschaftskritisch pointiert den Antisemitismus im Wien des Fin de Siècle in seiner Struktur so witzig wie präzise anschaulich macht. Schnitzler hatte sogleich nach Beendigung der Handschrift seiner Novelle die „Empfindung, dass es ein Meisterwerk.“
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