
von Christian Mann
Berlin, 1930: Zwischen funkelndem Glamour, politischem Rausch und dem schleichenden Verfall einer Republik. Am Abend der Premiere von »Der blaue Engel« teilt sich die Menge im Foyer des Gloria-Palasts. Im Blitzlichtgewitter begegnet die junge Journalistin Helene Schneider einem Mann, dessen Blick sie nicht mehr loslässt. Er bewegt sich mit bestechender Selbstverständlichkeit in einflussreichen Kreisen, doch sein wahrer Hintergrund bleibt im Verborgenen. Als Volontärin bei der renommierten Vossischen Zeitung will Helene mehr sein als die junge Frau, deren politische Analysen man für »zu emotional« hält. Unter den Fittichen der legendären Gesellschaftsreporterin Bella Fromm öffnen sich ihr die Türen zu den exklusiven Salons der Hauptstadt. Wo Bankiers, Industrielle, Offiziere und Demagogen verkehren, lernt Helene das eigentliche Handwerk: »Man kritisiert niemanden direkt. Aber zwischen den Zeilen können Sie schreiben, was Sie wollen.« Doch während auf den Straßen die Gewalt eskaliert und Männer, über die man gestern noch lachte, nach der Macht greifen, gerät Helenes eigenes Leben ins Wanken. Zu Hause wartet Paul, der unbeirrt an Vernunft, Recht und ihre gemeinsame Zukunft glaubt. Der faszinierende Fremde jedoch zieht sie immer tiefer in seinen Bann – mit einer kühlen Entschlossenheit, die in einer taumelnden Stadt wie ein Rausch wirkt. Helene hält sich für eine unbeteiligte Beobachterin. Sie irrt sich. Ein atmosphärischer Roman über persönliche Verführung, den Riss durch eine Gesellschaft und den Moment, in dem eine Demokratie zu kippen beginnt.
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