
Emilia Galotti, 1772 uraufgeführt, verlegt die Tragödie der Verführung und politischen Willkür an einen italienischen Fürstenhof, meint jedoch unverkennbar die absolutistischen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts. In konzentrierter dramatischer Ökonomie entfaltet Lessing den Konflikt zwischen bürgerlicher Tugend, höfischer Macht und patriarchaler Ehrvorstellung. Der klare, spannungsvolle Prosastil, die präzise Figurenführung und die Nähe zum bürgerlichen Trauerspiel machen das Werk zu einem Schlüsseltext der Aufklärung und der deutschen Dramenliteratur. Gotthold Ephraim Lessing, Kritiker, Dramatiker und einer der bedeutendsten Aufklärer, schrieb aus der Überzeugung, Literatur müsse moralische Urteilskraft schärfen. Seine Auseinandersetzung mit französischer Regelpoetik, seine Tätigkeit am Theater und sein Interesse an religiöser wie gesellschaftlicher Toleranz prägten dieses Drama. In Emilia Galotti verbindet er dramaturgische Strenge mit zeitkritischer Analyse und zeigt, wie private Schicksale durch politische Machtstrukturen zerstört werden. Dieses Trauerspiel empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die klassische Literatur nicht als museales Erbe, sondern als intellektuelle Herausforderung begreifen. Es bietet eine eindringliche Studie über Freiheit, Gewalt, Geschlecht und Moral. Wer Lessings Aufklärungsdenken verstehen will, findet hier eines seiner schärfsten und wirkungsvollsten Werke.
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