
Ricarda Huchs Erinnerungen von Ludolf Ursleu dem Jüngeren entfaltet als rückblickende Selbst- und Familiengeschichte das Werden eines empfindsamen jungen Menschen im Spannungsfeld von Herkunft, Liebe, Pflicht und innerer Freiheit. Der Roman verbindet Elemente des Bildungsromans, der psychologischen Erinnerungsprosa und der bürgerlichen Familienchronik. In einer kunstvoll reflektierten, bisweilen romantisch gefärbten Sprache zeichnet Huch seelische Regungen, gesellschaftliche Zwänge und die Melancholie einer untergehenden Lebensform nach; zugleich steht das Werk an der Schwelle zwischen spätem Realismus, Neuromantik und moderner Subjektprosa. Ricarda Huch, 1864 in Braunschweig geboren, gehörte zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen und Historikerinnen ihrer Zeit. Ihr Studium in Zürich, wo Frauen früher akademische Möglichkeiten fanden als im Deutschen Reich, schärfte ihren historischen Blick und ihr Bewusstsein für geistige Unabhängigkeit. Ihre Beschäftigung mit Romantik, Revolution und individuellen Freiheitsansprüchen bildet den geistigen Hintergrund dieses frühen Romans, der persönliche Erfahrung nicht bloß bekenntnishaft, sondern kulturell und historisch deutet. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die an feinsinniger Charakterzeichnung, literarischer Übergangszeit und der Erforschung bürgerlicher Innenwelten interessiert sind. Huchs Roman belohnt langsame, aufmerksame Lektüre: Er zeigt, wie Erinnerung Identität formt und wie private Schicksale größere geistige Umbrüche sichtbar machen.
Sortiert nach Gesamtpreis inkl. Versand, sofern verfügbar.
Weitere Werke desselben Verfassers.
Bester Preis · bücher.de
12,10 €
Maße: 0.8 x15.2 x22.9 cm
* Affiliate-Link — kein Mehrpreis für dich.
Bester Preis
Ab 16,80 €
Werke aus verwandten Genres.