
von Kurt Aram
Familie Dungs ist ein scharf beobachteter Gesellschaftsroman, der die Dynamik einer bürgerlichen Familie im Spannungsfeld von Herkunft, Besitz, Ehrgeiz und moralischer Selbsttäuschung entfaltet. Kurt Aram verbindet realistische Milieuschilderung mit satirischer Zuspitzung: Hinter alltäglichen Gesprächen, häuslichen Konflikten und ökonomischen Kalkülen erscheint ein Panorama der wilhelminischen Gesellschaft, in der Ansehen oft wichtiger ist als Charakter. Der Roman steht damit im Kontext der kritischen bürgerlichen Literatur um 1900, nahe an Naturalismus und Gesellschaftssatire, doch mit eigenem erzählerischem Witz. Kurt Aram, Pseudonym des Schriftstellers und Publizisten Hans Fischer, war ein genauer Beobachter seiner Zeit. Seine journalistische Erfahrung, seine Skepsis gegenüber gesellschaftlichen Moden und sein Interesse an den Mechanismen öffentlicher wie privater Selbstinszenierung prägen auch dieses Buch. Familie Dungs dürfte aus jener Haltung entstanden sein, die bürgerliche Gewissheiten nicht frontal verwirft, sondern durch präzise Darstellung ihrer Widersprüche sichtbar macht. Zu empfehlen ist der Roman allen Lesern, die literarische Gesellschaftsanalyse, historische Milieugenauigkeit und ironische Charakterzeichnung schätzen. Familie Dungs ist nicht nur ein Zeitdokument, sondern eine weiterhin lesbare Studie über Familie, Statusdenken und die Komik menschlicher Eitelkeit.
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