
von Paul Keller
Paul Kellers "Ferien vom Ich" entfaltet die ebenso heitere wie nachdenkliche Idee einer zeitweiligen Befreiung von sozialer Rolle, Berufspflicht und selbstgeschaffener Wichtigkeit. In einem kurähnlichen Rückzugsraum dürfen die Figuren ihr gewohntes Ich ablegen und erfahren, wie sehr Identität durch Konvention, Besitz und Anerkennung bestimmt wird. Kellers Stil verbindet volkstümliche Anschaulichkeit, milde Satire und psychologisches Feingefühl; literarisch steht der Roman im Umfeld der wilhelminischen Unterhaltungsliteratur, der Lebensreform und einer frühen Diagnose moderner Erschöpfung. Paul Keller (1873-1932), aus Schlesien stammender Lehrer, Journalist und vielgelesener Erzähler, kannte die Spannungen zwischen Provinz, bürgerlicher Leistungswelt und religiös-moralischer Sinnsuche genau. Seine Nähe zu landschaftlicher Beobachtung, katholisch geprägter Innerlichkeit und populärer Erzählform erklärt die besondere Mischung des Buches: Es ist weder bloße Kuriosität noch reine Gesellschaftskritik, sondern eine warmherzige Prüfung der Frage, wie ein Mensch wieder zu sich kommen kann. Empfohlen sei "Ferien vom Ich" allen Leserinnen und Lesern, die klassische deutsche Erzählprosa mit geistiger Leichtigkeit schätzen. Das Buch unterhält, ohne oberflächlich zu werden, und wirkt überraschend aktuell, wo Selbstoptimierung, Überarbeitung und Rollenzwang erneut nach Gegenbildern verlangen.
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Maße: 0.8 x15.2 x22.9 cm
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