
von Ludwig Tieck
Franz Sternbalds Wanderungen, 1798 erschienen und bewusst fragmentarisch angelegt, gilt als einer der grundlegenden Künstlerromane der deutschen Frühromantik. Im Mittelpunkt steht ein junger Maler aus dem Umkreis Albrecht Dürers, dessen Reise weniger äußere Handlung als ästhetische und geistige Initiation ist. Tieck verbindet erzählende Prosa, Lieder, Gespräche über Malerei, Naturbetrachtung und religiöse Sehnsucht zu einer arabesken Form, die den klassischen Bildungsroman romantisch umdeutet. Ludwig Tieck, 1773 in Berlin geboren, gehörte zu den prägenden Stimmen der Frühromantik. Seine Nähe zu Wilhelm Heinrich Wackenroder, seine Beschäftigung mit mittelalterlicher Kunst, Shakespeare, Cervantes und dem Theater sowie sein Misstrauen gegenüber nüchterner Aufklärung prägen diesen Roman entscheidend. In Sternbald verdichtet Tieck eigene Fragen nach künstlerischer Berufung, nach der Einheit der Künste und nach einer verlorenen, spirituell durchdrungenen Welt. Dieses Buch empfiehlt sich allen Lesern, die den Ursprung romantischer Kunstauffassung verstehen möchten. Es bietet keine geradlinige Abenteuergeschichte, sondern eine poetische Reflexion über Sehen, Schaffen und Wandern. Gerade seine Offenheit macht den Text bis heute anregend: als Dokument einer Epoche und als vielstimmige Meditation über Kunst.
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