
von Arthur Schurig, Gustave Flaubert u. a.
Gustave Flauberts "Frau Bovary" entfaltet die Geschichte Emma Bovarys, einer provinziellen Arztgattin, deren von romantischen Lektüren genährte Sehnsucht nach Leidenschaft, Luxus und gesellschaftlicher Erhebung an der Enge bürgerlicher Wirklichkeit zerbricht. Mit unerbittlicher Präzision schildert der Roman Ehe, Begehren, Konsum und Selbsttäuschung im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Sein berühmter Stil, kühl, rhythmisch und bis ins kleinste Detail komponiert, verbindet realistische Beobachtung mit ironischer Distanz und macht das Werk zu einem Schlüsseltext des europäischen Realismus. Flaubert, 1821 in Rouen geboren, kannte die normannische Provinz, ihre Milieus, Sprachformen und moralischen Konventionen aus nächster Nähe. Zugleich war er ein Autor von außerordentlichem Formbewusstsein, der das "mot juste", das einzig treffende Wort, zur ästhetischen Maxime erhob. Der Skandalprozess wegen angeblicher Unsittlichkeit, den der Roman nach seiner Vorveröffentlichung auslöste, zeigt, wie scharf Flaubert die Selbstbilder seiner Zeit traf. "Frau Bovary" empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die nicht nur eine tragische Ehegeschichte, sondern eine subtile Analyse moderner Illusionen suchen. Der Roman bleibt gegenwärtig, weil er zeigt, wie Wünsche von Bildern, Waren und Erzählungen geformt werden.
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