
von Josef Kallinikow
Frauen und Mönche entfaltet ein spannungsreiches Panorama religiöser Lebensformen, in dem weibliche Erfahrung, asketische Ordnung und gesellschaftliche Erwartung aufeinanderstoßen. Kallinikow verbindet realistische Milieuschilderung mit psychologischer Beobachtung: Kloster, Familie und Öffentlichkeit erscheinen nicht als getrennte Sphären, sondern als miteinander verflochtene Räume moralischer Prüfung. Stilistisch steht das Buch in der Tradition der russischen Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts, deren Interesse an Gewissen, Schuld, Begehren und sozialer Heuchelei hier in konzentrierter Form weitergeführt wird. Josef Kallinikow, aus dem russischen Kulturraum hervorgegangen, schrieb vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der orthodoxe Frömmigkeit, patriarchale Normen und moderne Individualansprüche miteinander konkurrierten. Gerade diese Spannungen dürften sein Interesse an Figuren geweckt haben, die zwischen religiösem Ideal und leiblich-seelischer Wirklichkeit leben. Sein Blick gilt weniger der dogmatischen Kontroverse als den Menschen, die von Institutionen geprägt, geschützt und bisweilen beschädigt werden. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die literarische Religionskritik, psychologisch nuancierte Figurenzeichnung und kulturgeschichtliche Einsicht schätzen. Frauen und Mönche ist kein bloßes Sittenbild, sondern eine ernsthafte Erkundung von Macht, Hingabe und Freiheit.
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