
von Hugo Bettauer
Diese Sammlung vereint vier zentrale Romane Hugo Bettauers, in denen das Wien der Zwischenkriegszeit als Labor sozialer, politischer und moralischer Konflikte erscheint. In "Die Stadt ohne Juden" steigert Bettauer den zeitgenössischen Antisemitismus zur satirischen Versuchsanordnung; "Die freudlose Gasse" und "Der Kampf um Wien" entfalten Elend, Spekulation und Klassenkampf im Schatten von Inflation und Nachkriegsnot; "Das blaue Mal" verbindet Sensationsdramaturgie mit Fragen nach Herkunft, Schuld und gesellschaftlicher Stigmatisierung. Sein Stil ist feuilletonistisch, schnell, dialogisch und zugleich präzise beobachtend, zwischen populärem Roman, Großstadtreportage und sozialkritischer Moderne. Hugo Bettauer, 1872 in Baden bei Wien geboren, war Journalist, Weltreisender und ein Autor, der die Massenpresse ebenso kannte wie die nervöse Kultur der Metropole. Seine Erfahrungen in Wien, Berlin und den Vereinigten Staaten schärften seinen Blick für Migration, Kapitalismus, sexuelle Doppelmoral und politische Radikalisierung. Als jüdisch geprägter, liberaler Publizist wurde er zur Zielscheibe nationalistischer Hetze; 1925 starb er nach einem Attentat eines Rechtsextremen. Diese Ausgabe empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur als zeitgeschichtliches Seismographium begreifen. Bettauers Romane sind spannend, zugänglich und von beklemmender Aktualität: Sie zeigen, wie Vorurteil, ökonomische Krise und mediale Erregung eine Gesellschaft verformen können.
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