
Richard Muthers Geschichte der Malerei entfaltet die Entwicklung der europäischen Bildkunst von ihren frühesten sakralen Bindungen bis zu den künstlerischen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts als lebendige Geistesgeschichte. Nicht bloß Schulen, Meister und Werke werden geordnet, sondern Malerei erscheint als Ausdruck wechselnder Weltanschauungen, sozialer Kräfte und ästhetischer Ideale. Muthers Stil verbindet gelehrte Übersicht mit essayistischer Beweglichkeit; seine Darstellung gehört in den Kontext der kunsthistorischen Synthesen des Fin de Siècle, die Stilgeschichte, Kulturdiagnose und Geschmacksbildung miteinander verschränken. Richard Muther, 1860 geboren und als Kunsthistoriker in Breslau und München wirksam, war eine der markanten Stimmen der modernen Kunstgeschichtsschreibung im deutschen Sprachraum. Seine Nähe zur zeitgenössischen Kunst, sein Interesse am Impressionismus und seine Ablehnung einer rein antiquarischen Kunstbetrachtung prägten auch dieses Werk. Er schrieb aus dem Bewusstsein heraus, dass Kunstgeschichte nicht nur Vergangenheit verwaltet, sondern den Blick der Gegenwart schult. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Malerei nicht als Abfolge isolierter Meisterwerke, sondern als historisch gewachsene Sprache menschlicher Erfahrung verstehen möchten. Trotz zeitgebundener Urteile bleibt Muthers Darstellung anregend, pointiert und reich an kulturhistorischer Einsicht.
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