
Geschichte des Zauberers Merlin führt in den Sagenkreis um König Artus zurück und entfaltet Merlins Herkunft, seine prophetische Begabung und seine Rolle als Mittler zwischen wunderbarer Macht und politischer Ordnung. Dorothea Schlegel gestaltet den mittelalterlichen Stoff als romantische Prosa, in der Legende, Genealogie, christliche Heilsgeschichte und höfische Abenteuer ineinandergreifen. Der Text steht im Kontext der frühromantischen Wiederentdeckung des Mittelalters und liest die Zauberei weniger als bloßes Märchenmotiv denn als poetische Form historischer Sinnstiftung. Dorothea Schlegel, 1764 als Brendel Mendelssohn geboren, war Tochter Moses Mendelssohns und eine zentrale Gestalt der deutschen Romantik. Ihre geistige Biographie führte durch jüdische Aufklärung, literarische Salonkultur, Ehe mit Friedrich Schlegel und späteren Katholizismus. Diese Erfahrungen erklären ihr Interesse an Überlieferung, religiöser Symbolik und kultureller Übersetzung: Merlin bot ihr eine Figur, in der Weisheit, Außenseitertum und geschichtliche Sendung zusammenfallen. Empfohlen sei dieses Buch allen, die romantische Mittelalterbilder, Artusliteratur und weibliche Autorschaft um 1800 erforschen möchten. Es ist zugleich gelehrte Aneignung und erzählerisch reizvolle Wiederbelebung eines europäischen Mythos.
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