
Geschichte Giafars des Barmeciden entfaltet im Gewand einer orientalischen Hof- und Schicksalserzählung eine philosophische Prüfung von Macht, Tugend und geschichtlicher Vergänglichkeit. Klinger nutzt die Figur des berühmten Barmakiden Giafar, um Glanz und Gefährdung politischer Nähe zum Despoten sichtbar zu machen. Der Stil verbindet erzählerische Anschaulichkeit mit reflektierenden Passagen; im Kontext der Spätaufklärung steht der Roman zwischen moralischer Geschichtsdeutung, Religionskritik und skeptischer Anthropologie. Friedrich Maximilian Klinger, 1752 geboren und als Namensgeber des Sturm und Drang berühmt geworden, entwickelte sich vom Dramatiker leidenschaftlicher Auflehnung zum Verfasser philosophischer Romane. Seine Erfahrungen als Offizier und Verwaltungsbeamter im russischen Dienst schärften seinen Blick für Hierarchie, Hofmechanismen und politische Abhängigkeit. Diese biographische Nähe zu Machtzentren erklärt die Nüchternheit, mit der er Ideale der Vernunft gegen die Realitäten des Staates abwägt. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Erzählkunst nicht als bloße Exotik, sondern als Denkform verstehen. Wer Lessing, Wieland oder die skeptische Seite der Aufklärung schätzt, findet hier einen dichten Roman über moralische Standhaftigkeit unter gefährlichen Bedingungen und über den Preis öffentlicher Wirksamkeit.
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