
Egon Erwin Kisch: Geschichten aus sieben Ghettos. 'Der tote Hund und der lebende Jude' und andere Erzählungen Erstdruck: Amsterdam, Allert de Lange, 1934. Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2026. Textfassung nach den Regeln der aktuellen deutschen Rechtschreibung. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage. Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt. Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH Mit der Präzision eines Meisterreporters und der Empathie eines Chronisten führt uns der 'rasende Reporter' Egon Erwin Kisch durch die jüdischen Lebenswelten Europas und des Orients. Geschrieben 1934 im Exil, ist dieses Werk weit mehr als eine Sammlung von Reiseberichten: Es ist ein tiefgründiges Dokument jüdischer Kultur, Tradition und Gegenwart am Vorabend der Katastrophe. Vom legendären Prager Ghetto über das pulsierende Pariser Pletzl bis nach Bagdad verwebt Kisch historische Miniaturen mit messerscharfer Reportage. Er spürt den alten Legenden nach, porträtiert Einzelschicksale und fängt die Melancholie und den Überlebenswillen einer bedrohten Welt ein. Ein zeitloses Meisterwerk der literarischen Reportage - bewegend, hellsichtig und von unschätzbarem historischem Wert. Über den Autor: 1885 in Prag als zweiter von fünf Söhnen eines jüdischen Tuchhändlers geboren, studiert Egon (später hinzugefügt: Erwin) Kisch Geschichte und Literatur an der deutschsprachigen Karl-Ferdinands-Universität. In der Burschenschaft Saxonia Prag ficht er mehrere Säbelmensuren. Den Militärdienst verbringt er infolge seiner Bereitschaft zum Konflikt mit Vorgesetzten weitgehend im Arrest. 1906 wird er nach einer kurzen Station beim 'Prager Tagblatt' Lokalreporter der renommierten Tageszeitung 'Bohemia'. Als Stammgast im 'Weißen Hasen', dem Treffpunkt der Prager Bohème, taucht er tief ein in das literarische und künstlerische Milieu der Stadt. Sein investigativer Journalismus deckt die Affäre um den Selbstmord des Spions Alfred Redl auf und macht Kisch zu einem bekannten Journalisten. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges, den er als Oberleutnant im K.u.k. Kriegspressequartier überlebt, wird er Mitglied im illegalen Arbeiter- und Soldatenrat und besetzt mit seinen Soldaten zum Fall der Monarchie am 12. November 1918 die 'Neue Freie Presse' und lässt eine Sonderausgabe mit dem Aufruf zur Gründung der sozialistischen Republik Deutschösterreich drucken. 1919 wird das KPD-Mitglied in Wien zur unerwünschten Person erklärt und geht nach einer kurzen Station in Prag nach Berlin. Seine unermüdliche Reisetätigkeit mündet in zahlreichen Reportagebänden und bringt ihm den Beinamen 'der rasende Reporter' ein. 1933 wird er verhaftet und dann ausgewiesen, er übersiedelt nach Paris und engagiert sich für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Mit Ausbruch des Kriegs flieht er über die USA nach Mexiko. Zurück in Prag stirbt am 31. März 1948 mit Egon Erwin Kisch einer der bedeutendsten Journalisten des 20. Jahrhunderts an einem Schlaganfall.
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