
von Elias Varga
Um vier Uhr Bordzeit zittert der Kaffeebecher von Pilot Tomás Reyes. Auf dem Kolonieschiff Meridian verliert der Reaktorring Kühlmittel. Vier Menschen retten sich in Rettungskapsel 7: Tomás, die Bordärztin Jana, der junge Koch Emil und die Ingenieurin Mia, die Tomás erst von der Notpumpe wegziehen muss. Die Kapsel stürzt auf einen fremden Planeten.Alle überleben. Doch der Notsender ist defekt, und die Rationen reichen für zwanzig Tage. Ein Tag dauert hier 31 Stunden. Den Planeten taufen sie Veyra.Im Kesseltal unter einem Wasserfall machen sie ein Feuer, das nie ausgehen darf. Sie drehen Seile aus Seidenkraut, schlagen Speere aus Splitterstein und bauen eine Lehmhütte. Sie lernen, was essbar ist: Sternknollen, Honigfarn, scharfe Glutbeeren. Jeden Abend halten sie eine Dankbarkeitsrunde, und über dem Herd hängt Babičkas Spruch: Wir kochen weiter. Ein leuchtendes Fellknäuel namens Funke weicht Emil nicht mehr von der Seite. Ein Pummler namens Knödel bricht jede Nacht aus, um in Emils Bett zu schlafen.Veyra ist nicht nur schön. Ein Sinkloch verschluckt fast Mia, der Fluss flutet die Kapsel, und im Wald finden sie Spuren von etwas Grossem. Am Tag 54 ist die letzte Notration gegessen.Im Norden findet Tomás eine Frachtkapsel mit Werkzeug und Saatgut von der Erde. Bald wachsen Bohnen und Tomaten, und das blaue Moos legt sich um ihre Wurzeln, als würde es helfen.Nach dem ersten Fest am Tag 100 ziehen sie über die uralte Wandlerstrasse nach Westen, um Salz zu holen. Dort geht ihnen das Wasser aus. Eine leuchtende Linie im Moos führt sie zu einer Quelle. Dort steht Kapsel 3, und darin lebt seit 110 Tagen ganz allein Chiara Rinaldi, eine junge Programmiererin aus Bologna.Aus vier werden fünf. Und das Moos beginnt zu antworten.
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