
Karl Philipp Moritz' "Götterlehre - Mythologische Dichtungen der Alten" ist weit mehr als ein gelehrtes Kompendium antiker Mythen: Es entfaltet die Götterwelt Griechenlands und Roms als poetisches System, in dem Bilder, Namen und Erzählungen eine eigene ästhetische Wahrheit besitzen. In klarer, zugleich anschaulich bildender Prosa ordnet Moritz die Gestalten der Mythologie nicht bloß antiquarisch, sondern im Geist der Weimarer Klassik als Ausdruck menschlicher Einbildungskraft und künstlerischer Formgebung. Moritz, 1756 geboren, war Schriftsteller, Pädagoge, Psychologe und Kunsttheoretiker; seine Erfahrungen als Reisender in Italien und seine Nähe zu Goethe prägten sein Verständnis antiker Kunst nachhaltig. Aus seiner Beschäftigung mit Ästhetik, Sprache und der autonomen Schönheit des Kunstwerks erwuchs der Wunsch, die Mythologie nicht moralisch zu reduzieren, sondern als lebendige Dichtung der Alten verständlich zu machen. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die antike Mythologie nicht nur nacherzählt, sondern geistig durchdrungen sehen möchten. Es ist ein Schlüsseltext für das Verständnis klassizistischer Bildung, dichterischer Symbolik und jener Vorstellungskraft, aus der europäische Kunst und Literatur bis heute schöpfen.
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