
von Rudolf Eucken
Rudolf Euckens "Grundbegriffe der Gegenwart" ist eine begriffsgeschichtliche Diagnose der modernen Welt. Das Buch untersucht jene leitenden Ausdrücke, in denen sich das Selbstverständnis des 19. Jahrhunderts verdichtet: Wissenschaft, Kultur, Fortschritt, Individualität, Gesellschaft und geistiges Leben. Eucken schreibt nicht lexikalisch, sondern philosophisch prüfend; sein Stil verbindet historische Gelehrsamkeit mit systematischer Strenge. Im Kontext des deutschen Idealismus nach Hegel und der aufkommenden Lebensphilosophie fragt er, ob moderne Begriffe noch geistige Orientierung geben können. Der Autor Rudolf Eucken, 1846 geboren und später Nobelpreisträger für Literatur, war Professor der Philosophie in Jena und einer der einflussreichsten Vertreter eines ethischen Idealismus. Seine Auseinandersetzung mit Antike, Christentum, Kant, deutschem Idealismus und zeitgenössischem Positivismus prägte sein Denken. Gerade die Spannung zwischen naturwissenschaftlichem Weltbild, sozialem Wandel und religiös-sittlichem Anspruch dürfte ihn zu diesem Werk geführt haben: Begriffe erscheinen ihm als Schauplätze kultureller Kämpfe. Empfohlen sei dieses Buch allen, die Philosophie nicht als abstrakte Spekulation, sondern als Klärung geschichtlicher Gegenwart verstehen. Es bietet keine schnelle Einführung, sondern eine anspruchsvolle Schulung des Urteilens. Wer die geistigen Voraussetzungen moderner Debatten erkennen möchte, findet hier ein nach wie vor anregendes, präzises und überraschend aktuelles Werk.
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