
von Theodor Lessing
In "Haarmann: Gerichtsreportage" rekonstruiert Theodor Lessing den Prozess gegen den hannoverschen Serienmörder Fritz Haarmann nicht als bloße Sensationschronik, sondern als schonungslose Analyse einer beschädigten Gesellschaft. Sein Stil verbindet präzise Beobachtung, juristische Detailgenauigkeit und philosophische Zuspitzung; die Reportage steht im Kontext der Weimarer Gerichts- und Sozialpublizistik, überschreitet diese jedoch durch ihre moralpsychologische Tiefenschärfe. Lessing fragt nach Schuld, Milieu, staatlicher Blindheit und der unheimlichen Nähe zwischen Verbrechen, Öffentlichkeit und Justiz. Theodor Lessing, 1872 geboren, war Philosoph, Kulturkritiker und einer der scharfsinnigsten jüdischen Intellektuellen der Weimarer Republik. Seine Sensibilität für Ausgrenzung, Gewalt und kollektive Verdrängung prägte auch diese Schrift. Als Beobachter des Haarmann-Prozesses erkannte er im Angeklagten nicht nur das Monströse des Einzelfalls, sondern ein Symptom politischer Verwahrlosung, sozialer Not und institutioneller Selbsttäuschung. Lessings spätere Ermordung durch Nationalsozialisten verleiht seiner Diagnose rückblickend bedrückende Aktualität. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Kriminalgeschichte nicht als Unterhaltung, sondern als Zugang zur Analyse moderner Gesellschaften begreifen. Es ist ein bedeutendes Dokument literarischer Gerichtsreportage, intellektuell anspruchsvoll, sprachlich eindringlich und historisch unverzichtbar.
* Affiliate-Link — kein Mehrpreis für dich.
Sortiert nach Gesamtpreis inkl. Versand, sofern verfügbar.
Weitere Werke desselben Verfassers.
Bester Preis · bücher.de
8,10 €
Maße: 0.5 x16.0 x22.0 cm
Bester Preis
Ab 11,00 €
Werke aus verwandten Genres.