
In diesem breit angelegten, reflektierten Interview hinterfragt die norwegische Soziologin, Journalistin und Friedensaktivistin Linn Stalsberg zentrale Annahmen, die unser Denken über Krieg und Sicherheit prägen. Ausgehend von Geschichte, politischer Theorie und persönlicher Erfahrung zeigt sie, wie Militarismus in heutigen Gesellschaften zum vermeintlichen „gesunden Menschenverstand“ werden konnte – und warum genau diese Selbstverständlichkeit auf den Prüfstand gehört. Im Gespräch rückt Stalsberg verdrängte Traditionen des Friedensdenkens wieder ins Blickfeld: Kriegsdienstverweigerung, Pazifismus, gewaltfreien Widerstand und Antimilitarismus. Sie beschreibt sie nicht als naive Ideale, sondern als intellektuell fundierte und politisch ernst zu nehmende Alternativen. Zugleich analysiert sie den Druck eines politischen Klimas, in dem Forderungen nach Diplomatie und Zurückhaltung oft beiseitegeschoben werden, während die Logik der Wiederaufrüstung die öffentliche Debatte zunehmend bestimmt. Das Gespräch verbindet persönliche Einsichten mit präziser politischer Analyse – von der NATO und dem Krieg in der Ukraine über globale Konflikte bis zur schwindenden Bedeutung der Diplomatie. Es lädt dazu ein, neu darüber nachzudenken, was Friedensarbeit in einer Zeit eskalierender Gewalt bedeutet. Im Zentrum steht eine zugespitzte These: Die Weigerung zu töten kann zu den größten Mutproben gehören, zu denen ein Mensch fähig ist.
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