
von Henrik Ibsen, Classic
Henrik Ibsens "Hedda Gabler" ist ein psychologisch präzises Kammerspiel über Macht, Langeweile und die zerstörerische Sehnsucht nach Selbstbestimmung in einer bürgerlichen Gesellschaft. Im Zentrum steht Hedda, frisch verheiratet mit dem Gelehrten Jørgen Tesman, die zwischen gesellschaftlicher Konvention, erotischer Erinnerung und nihilistischem Freiheitsdrang agiert. Ibsens nüchterner, dialogischer Realismus verbindet symbolische Verdichtung mit analytischer Dramaturgie und macht das Stück zu einem Schlüsselwerk des modernen europäischen Theaters. Ibsen, 1828 in Norwegen geboren, gilt als Begründer des modernen Dramas, weil er die Bühne von romantischer Idealisierung löste und soziale wie seelische Konflikte mit unerbittlicher Genauigkeit darstellte. Seine Erfahrungen mit provinzieller Enge, bürgerlicher Moral und dem europäischen Exil schärften seinen Blick für die Zwänge individueller Existenz. "Hedda Gabler" entstand aus dieser kritischen Beobachtung einer Ordnung, die besonders Frauen Handlungsmacht verspricht und zugleich verweigert. Dieses Drama empfiehlt sich Lesern, die Literatur als Instrument der Erkenntnis schätzen. Ibsens Hedda ist weder einfache Täterin noch bloßes Opfer, sondern eine der faszinierendsten ambivalenten Figuren der Weltliteratur. Wer die Ursprünge moderner Psychologie, Geschlechterkritik und Theaterkunst verstehen will, findet hier ein Werk von unverminderter Aktualität.
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