
Hermanns Schlacht gestaltet den Sieg des Cheruskerfürsten Hermann über die römischen Legionen des Varus nicht als bloße historische Episode, sondern als mythisch aufgeladene Urszene deutscher Freiheit. Klopstock wählt die Form des Bardiets: ein lyrisch-dramatisches Gebilde mit feierlicher Rede, chorischer Erhebung und archaisierender Bildsprache. Im literarischen Kontext der Empfindsamkeit und der früh erwachenden nationalen Dichtung verbindet das Werk antike Tragödientradition mit germanischer Erinnerungsphantasie und politischer Freiheitssemantik. Friedrich Gottlieb Klopstock, 1724 in Quedlinburg geboren und als Verfasser des Messias bereits eine Zentralfigur der deutschen Literatur, suchte nach Ausdrucksformen jenseits französisch-klassizistischer Normen. Seine religiöse Erhabenheitsästhetik, seine Begeisterung für patriotische Tugend und sein Interesse an vorchristlich-germanischen Stoffen bereiteten dieses Drama vor. Die politische Zersplitterung des Reiches und die geistigen Debatten des 18. Jahrhunderts über Sprache, Nation und Freiheit verleihen seiner Hermann-Dichtung zusätzliche Dringlichkeit. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die verstehen wollen, wie historische Erinnerung literarisch zur kulturellen Selbstvergewisserung wird. Wer pathetische, hochstilisierte Sprache, ideengeschichtliche Tiefe und die Anfänge moderner deutscher Nationalimagination untersuchen möchte, findet hier ein Schlüsselwerk von bleibender Bedeutung.
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