
von Gustav Frenssen
Hilligenlei entfaltet das Bild einer norddeutschen Küsten- und Dorfgemeinschaft, in der Landschaft, Arbeit, Frömmigkeit und soziale Ordnung untrennbar miteinander verbunden sind. Frenssen verbindet realistische Milieubeobachtung mit epischer Breite, biblisch gefärbtem Ton und heimatkünstlerischer Naturanschauung. Im literarischen Kontext der Jahrhundertwende steht der Roman zwischen Naturalismus, protestantischer Erbauungstradition und Heimatkunst: Er sucht im scheinbar Überschaubaren des Regionalen Antworten auf die Modernisierungskrisen des Kaiserreichs. Gustav Frenssen, 1863 in Dithmarschen geboren, war zunächst evangelischer Pastor, bevor er nach dem Erfolg von Jörn Uhl als freier Schriftsteller wirkte. Seine genaue Kenntnis bäuerlicher Lebensformen, kirchlicher Praxis und schleswig-holsteinischer Landschaft prägt Hilligenlei unverkennbar. Zugleich erklärt seine biographische Herkunft den moralischen Ernst des Buches: Frenssen schreibt aus einer Welt, in der religiöse Deutung, soziale Disziplin und Naturerfahrung noch als tragende Kräfte gelten. Empfohlen sei Hilligenlei Lesern, die die geistige Atmosphäre des wilhelminischen Deutschland verstehen möchten. Der Roman ist nicht nur als Heimatdichtung, sondern auch als kulturhistorisches Dokument bedeutsam. Gerade heute lohnt eine kritische Lektüre: Sie erschließt literarische Schönheit, regionale Präzision und zugleich die Grenzen eines konservativen Weltbildes.
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