
von Karel Čapek, Karel ¿Apek
"Hordubal" (1933) eröffnet Capeks sogenannte noetische Trilogie und verbindet Dorfrealismus, Kriminalhandlung und philosophische Erkenntniskritik. Der aus Amerika heimkehrende Juraj Hordubal trifft in der karpatoruthenischen Heimat auf eine entfremdete Frau, eine fremd gewordene Tochter und ein Anwesen, das ohne ihn weitergelebt hat. Aus dem scheinbar einfachen Ehe- und Besitzkonflikt entwickelt Capek eine vielstimmige Untersuchung darüber, wie Tatsachen entstehen: durch Gerüchte, Akten, Verhöre und die begrenzten Deutungen anderer. Die knappe, nüchterne Prosa meidet Pathos und macht gerade dadurch die Tragik eines Menschen sichtbar, dessen innere Wahrheit juristisch kaum greifbar bleibt. Karel Capek, tschechischer Schriftsteller, Journalist und Dramatiker, war einer der hellsichtigsten europäischen Autoren der Zwischenkriegszeit. Berühmt durch "R.U.R." und den Begriff "Roboter", blieb er zugleich ein humanistischer Skeptiker, geprägt von Pragmatismus, demokratischer Öffentlichkeit und der Nähe zu Tomás Garrigue Masaryk. "Hordubal" erwuchs aus seiner Aufmerksamkeit für Zeitungsfälle, soziale Randzonen der jungen Tschechoslowakei und die Frage, ob ein fremdes Leben überhaupt vollständig verstanden werden kann. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die keinen bloßen Kriminalroman suchen, sondern Literatur, die das Ermitteln selbst befragt. Capek zeigt, dass Gerechtigkeit ohne Einbildungskraft blind werden kann; gerade deshalb wirkt "Hordubal" bis heute modern, erschütternd und intellektuell anregend.
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