
Ille mihi entfaltet eine fein nuancierte Erzählung über Erinnerung, Bindung und die oft schmerzliche Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Form und innerer Wahrheit. In eleganter, psychologisch genauer Prosa verbindet Elisabeth von Heyking den Ton des spätwilhelminischen Gesellschaftsromans mit einer beinahe essayistischen Sensibilität für moralische Zwischentöne. Der lateinische Titel verweist auf eine Bildungstradition, in der persönliche Leidenschaft stets durch kulturelle Zeichen vermittelt erscheint. Elisabeth von Heyking, geboren 1861, bewegte sich durch ihre Ehe mit einem Diplomaten in internationalen höfischen und politischen Kreisen. Ihre Erfahrungen in Europa, Asien und im Umfeld der deutschen Elite schärften ihren Blick für Konvention, Macht und die Einsamkeit kultivierter Menschen. Wie in ihrem bekanntesten Werk Briefe, die ihn nicht erreichten, dürfte auch hier die Verbindung von privatem Empfinden und historischer Atmosphäre aus eigener Beobachtung erwachsen sein. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die literarische Zurückhaltung, seelische Präzision und kulturgeschichtliche Tiefenschärfe schätzen. Ille mihi ist keine bloße Liebes- oder Gesellschaftsgeschichte, sondern ein stilles Dokument einer Epoche, deren äußere Sicherheit bereits von inneren Brüchen durchzogen ist.
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