
"Jüdisches Leben in Wort und Bild" entfaltet ein kulturgeschichtlich aufmerksames Panorama jüdischer Alltagswelten, Bräuche, sozialer Formen und religiöser Prägungen. In der Verbindung von erzählender Beobachtung, ethnographischem Interesse und begleitenden Illustrationen entsteht ein Werk, das zwischen literarischer Skizze, dokumentarischem Tableau und populärer Kulturvermittlung steht. Sacher-Masochs Stil ist anschaulich, detailfreudig und von jener realistischen Neugier bestimmt, die das 19. Jahrhundert für regionale Milieus und Minderheitenkulturen entwickelte. Leopold von Sacher-Masoch, 1836 in Lemberg geboren, wuchs in einem vielsprachigen, multiethnischen Raum der Habsburgermonarchie auf. Galizien, mit seinem engen Nebeneinander von Deutschen, Polen, Ruthenen und Juden, prägte seine Wahrnehmung gesellschaftlicher Differenz nachhaltig. Sein literarisches Interesse galt häufig Randgruppen, sozialen Spannungen und kulturellen Übergangszonen; daraus erklärt sich auch die besondere Aufmerksamkeit, mit der er jüdisches Leben nicht bloß als exotisches Motiv, sondern als historisch gewachsene Lebensform darstellt. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die jüdische Kulturgeschichte, mitteleuropäische Literatur und illustrierte Sachprosa des 19. Jahrhunderts zusammen denken möchten. Es bietet keinen nüchternen Archivbericht, sondern eine literarisch geformte Annäherung, deren Wert gerade in der Verbindung von Anschauung, Zeitkolorit und kulturhistorischer Sensibilität liegt.
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