
Die Kindertodtenlieder versammeln eine erschütternde Folge lyrischer Trauerarbeit, entstanden aus dem Verlust zweier Kinder. Rückert verbindet intime Klage mit strenger Formkunst: Lied, Gebet, Epigramm und meditative Reflexion gehen ineinander über. Im Kontext der romantischen und nachromantischen deutschen Lyrik markieren diese Gedichte einen Grenzpunkt, an dem private Erfahrung zu einer poetischen Untersuchung von Tod, Erinnerung und Trost wird. Friedrich Rückert, 1788 in Schweinfurt geboren, war Dichter, Übersetzer und Orientalist von außergewöhnlicher Sprachgelehrsamkeit. Seine Beschäftigung mit persischer, arabischer und indischer Dichtung schärfte sein Bewusstsein für metrische Vielfalt und geistige Verdichtung. Der Tod seiner Kinder Luise und Ernst in den Jahren 1833/34 gab diesem Können eine existenzielle Dringlichkeit: Nicht literarische Pose, sondern das Ringen eines Vaters um Sinn prägt den Zyklus. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die Lyrik als Erkenntnisform ernst nehmen. Wer in Gedichten nicht bloß Gefühl, sondern gedankliche Präzision, religiöse Spannung und sprachliche Musikalität sucht, findet hier ein Werk von bleibender Intensität. Die Kindertodtenlieder sind ein anspruchsvolles, tief menschliches Zeugnis über Liebe, Verlust und die fragile Hoffnung auf Bewahrung.
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