
von Hans Goebl, Peter H.
Der seit 30 Jahren immer häufiger verwendete Terminus "Kontaktlinguistik" bezeichnet ein multidisziplinäres Forschungsgebiet, das - eingebunden in den Gesamtrahmen der Linguistik - auf die Mitberücksichtigung zahlreicher soziologischer, psychologischer, ethnologischer, geographischer, historischer, politischer und anthroplogischer Sehweisen angewiesen ist. Die Herausgeber des Handbuchs verstehen unter Kontaktlinguistik eine von Linguisten aller Fachrichtungen gegenüber dem Phänomen des sozialen Kontakts zweier oder mehrerer natürlicher Einzelsprachen eingenommene Forschungshaltung und die daraus sich ergebenden theoretischen und praktischen Resutate. Sie sind sich dabei aber der Tatsache voll bewußt, daß kontaktlinguistisches Forschen keine Neuerung des 20. Jahrhunderts ist, sondern vielmehr schon immer integrativer Bestandteil von Linguistik und Philologie seit deren Existenz als Einzelwissenschaft war. Aus systematischen, arbeitspraktischen, aber auch wissenschafts-historischen Gründen wird jedoch im Rahmen der Konzeption dieses Handbuchs davon ausgegangen, daß von Kontaktlinguistik im engeren Sinne erst in der Nachfolge von Uriel Weinreichs Buch "Languages in Contact" (1953) gesprochen werden kann. Hinsichtlich der Eigenständigkeit der Kontaktlinguistik wird auf zwei heute sehr wesentliche Faktoren hingewiesen: 1) auf den sachlich relevanten Umstand der in neuerer Zeit immens gesteigerten Mobilität vieler Völker, Kulturen und Kulturgüter (und damit auch von deren Sprachen) und 2) auf die wissenschaftliche Notwendigkeit der integrativen Zusammenfügung ansonsten getrennt operierender Einzelwissenschaften zu einer möglichst umfassenden wissenschaftlichen Analyse mehrsprachiger Phänomene. Das zweibändige Handbuch richtet sich an alle - Wissenschaftler wie interessierte Laien - , die mit Problemen des synchronen Sprachkontakts zu tun haben. In beiden Halbbänden werden zur besseren Vermittlung der Problematik neben dem wissenschaftlichen Text in größerem Umfang auch Graphiken, Tabellen und Karten verwendet. Dieses Handbuch ist der erste Versuch, weltweit stets wichtiger werdende Themen wie Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Sprachkonflikt in übersichtlichen und die jüngsten Forschungsergebnisse einschließenden Analysen zu erarbeiten und der Fachwelt vorzulegen.,Die Reihe HANDBÜCHER ZUR SPRACH- UND KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT erschließt einen Wissensbereich, der sowohl die allgemeine Linguistik und die speziellen, philologisch orientierten Sprachwissenschaften als auch diejenigen Wissenschaftsgebiete umfasst, die sich in den letzten Jahrzehnten aus der immer umfangreicher werdenden Forschung über die vielfältigen Erscheinungen des kommunikativen Handelns entwickelt haben. In der klassischen Disziplin der Sprachwissenschaft erscheint eine Zusammenfassung des Wissensstandes notwendig, um der im Wechsel der Theorien rasch voranschreitenden Forschung eine Bezugsbasis zu geben; in den neuen Wissenschaften können die Handbücher dem Forscher Übersicht geben und Orientierung verschaffen. Um diese Ziele zu erreichen, wird in der Handbuchreihe, was· die Vollständigkeit in der Darstellung,· die Explizitheit in der Begründung,· die Verlässlichkeit in der Dokumentation von Daten und Ergebnissen und· die Aktualität im Methodischenangeht, eine Stufe der Verwirklichung angestrebt, die mit den besten Handbuchkonzeptionen anderer Wissenschaftszweige vergleichbar ist. Alle Herausgeber, die der Reihe und diejenigen der einzelnen Bände, wie auch alle Autoren, die in den Handbüchern ein Thema bearbeiten, tragen dazu bei, dieses Ziel zu verwirklichen. Veröffentlichungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. Wenngleich als Hauptzweck der Handbuchreihe die angemessene Darstellung des derzeitigen Wissensstandes in den durch die jeweiligen Handbuchbände abgedeckten Ausschnitten der Sprach- und Kommunikationswissenschaft zu gelten hat, so wird doch bei der Abgrenzung der wissenschaftlichen Bereiche, die jeweils in einem Handbuchband erschlossen werden sollen, keine starre Systematik vorausgesetzt. Die Reihe ist offen; die geschichtliche Entwicklung kann berücksichtigt werden. Diese Konzeption sowie die Notwendigkeit, dass zur gründlichen Vorbereitung jedes Bandes genügend Zeit zur Verfügung steht, führen dazu, dass die ganze Reihe in loser Erscheinungsfolge ihrer Bände vervollständigt werden kann. Jeder Band ist ein in sich abgeschlossenes Werk. Die Reihenfolge der Handbuchbände stellt keine Gewichtung der Bereiche dar, sondern hat sich durch die Art der Organisation ergeben: der Herausgeber der Reihe bemüht sich, eine Kollegin oder einen Kollegen für die Herausgabe eines Handbuchbandes zu gewinnen. Hat diese/r zugesagt, so ist sie/er in der Wahl der Mitherausgeber und bei der Einladung der Autoren vollkommen frei. Die Herausgeber eines Bandes planen einen Band inhaltlich unabhängig und werden dabei lediglich an bestimmte Prinzipien für den Aufbau und die Abfassung gebunden; nur wo es um die Abgrenzung zu anderen Bänden geht, ist
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