
von Ludwig Thoma
Ludwig Thomas Lausbubengeschichten entfalten in episodischer Form die Kindheit eines gewitzten bayerischen Jungen, dessen Streiche Schule, Kirche, Familie und obrigkeitliche Ordnung gleichermaßen herausfordern. Hinter der scheinbar harmlosen Komik steht eine präzise Sozialbeobachtung: Thoma verbindet mündlich wirkende Erzählweise, dialektale Färbung und realistische Milieuschilderung mit satirischer Schärfe. Im literarischen Kontext der Jahrhundertwende erscheinen die Geschichten als Gegenbild zu pädagogischer Strenge und wilhelminischer Disziplin, ohne ihre erzählerische Leichtigkeit zu verlieren. Thoma, 1867 in Oberammergau geboren und in bayerischen Kleinstadt- und Landverhältnissen aufgewachsen, kannte die Welt, die er schildert, aus eigener Erfahrung. Seine juristische Ausbildung, seine Tätigkeit als Rechtsanwalt und später als Mitarbeiter des Simplicissimus schärften seinen Blick für Autorität, Heuchelei und soziale Rollen. Die Lausbubengeschichten wirken daher weniger wie bloße Erinnerungen als wie literarisch verdichtete Selbst- und Zeitbeobachtung. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die Humor nicht als Flucht vor der Wirklichkeit, sondern als Erkenntnisform schätzen. Thomas Prosa ist zugänglich, pointiert und zugleich historisch aufschlussreich. Wer bayerische Erzählkunst, scharfe Charakterzeichnung und die subtile Kritik an Erziehungs- und Machtverhältnissen sucht, findet hier ein klassisches, bis heute lebendiges Werk.
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