
Victor Hugos Drama Lucretia Borgia, 1833 uraufgeführt, verwandelt die berüchtigte Renaissancegestalt in das Zentrum einer tragischen Untersuchung von Schuld, Macht und Erlösung. In Ferrara und Venedig entfaltet sich eine Handlung aus Maskerade, politischer Intrige und Giftmord, deren innerster Konflikt die verborgene Mutterschaft Lucretias zu Gennaro bildet. Hugos romantischer Stil verbindet das Erhabene mit dem Grotesken: grelle Bühneneffekte, pathetische Rede und historische Koloristik dienen einer moralischen Dialektik, die hinter dem Monster die verletzte Frau sichtbar macht. Victor Hugo, Leitfigur der französischen Romantik, schrieb dieses Stück in der produktiven Phase nach Hernani und Der Glöckner von Notre-Dame. Sein Interesse an Ausgestoßenen, deformierten öffentlichen Bildern und der Spannung zwischen gesellschaftlichem Urteil und innerer Wahrheit prägt auch Lucretia Borgia. Die historische Borgia-Legende bot ihm ein ideales Material, um aristokratische Gewalt, weibliche Dämonisierung und die Hoffnung auf sittliche Umkehr dramatisch zu verdichten. Empfohlen sei das Werk Lesern, die historisches Drama nicht als bloße Kostümkunst, sondern als poetische Analyse menschlicher Widersprüche schätzen. Lucretia Borgia beeindruckt durch seine theatrale Energie und seine psychologische Kühnheit: Es zeigt, wie ein von Verbrechen gezeichnetes Leben im Augenblick mütterlicher Liebe dennoch nach Gnade verlangt.
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