
von Thomas Kramer
Der Leser begleitet den Autor auf einem faszinierenden Streifzug durch die deutsche und internationale Populärkultur und deren Aufnahme und Verarbeitung im NS, der DDR und der Bundesrepublik. Dabei werden dem Comic „Mosaik“ sowie Werk und Rezeption Karl Mays besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In seiner Anschaulichkeit und Vielfalt der behandelten Aspekte wendet sich das Buch an den Historiker, Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaftler ebenso wie an den allgemein an Zeit- und Kulturgeschichte interessierten Leser. Das Vorwort macht es sich zum Anliegen, auf zahlreiche Desiderate bei der Behandlung des Untersuchungsgegenstandes hinzuweisen und unterstreicht die Notwendigkeit der Überwindung selbiger. Kramer verdeutlicht, daß in der Arbeit erstmals der Versuch einer systematischen Rekonstruktion der Rezeption von deutscher und internationaler Populärkultur über ein halbes Jahrhundert unternommen wird; darunter bislang kaum untersuchte Bereiche wie Heftchenliteratur und Sammelbilder für Zigaretten, Kaugummi etc. Im ersten Kapitel stellt Kramer Theorie und Untersuchungsmethoden seiner Arbeit vor. Es wird der zu analysierende Textkorpus aufgezeigt, welcher immerhin einen Großteil der in der DDR erschienenen Kinder- und Jugend-Zeitschriften, im Falle von „Mosaik“ immerhin – bei notwendiger Berücksichtigung der nach 1990 entstandenen Hefte – über 10.000 Seiten, die Abenteuerheftreihenliteratur der zwanziger und dreißiger Jahre, aber auch ausländische Titel wie das amerikanische „National Geographic Magazine“ der Jahrgänge 1960 bis 1990 und Archivalien zur Produktionslenkung in der DDR umfaßt. Im Kapitel 1.1.2 „Der Untersuchungsgegenstand >Mosaik Das anschließende zweite Kapitel gibt einen Überblick über den Untersuchungsgegenstand, wobei v.a. zunächst eine grobe Inhaltsübersicht über die einzelnen Serien des DDR-Comics zwischen 1955 und 1990 auch dem nicht damit vertrauten Leser die Breite der präsentierten Themen, die das breite Spektrum populärer Kultur vermittelt und die beiden maßgeblichen Künstler, den Spiritus rector Hannes Hegen und den Texter Lothar Dräger vorstellt. Das folgende 3. Kapitel leitet mit grundlegenden Bemerkungen zur Verortung des „Mosaik“ im kulturellen Umfeld der DDR und Strategien des Texters bei der Quellen- und Themenwahl zum umfänglichsten Abschnitt über. Dieses vierte Kapitel präsentiert die zentralen Anliegen der Arbeit, die Demonstration der ganzen Vielfalt der Themenbereiche aus nahezu allen Sparten deutscher und internationaler Unterhaltungskultur und deren Interpretation in einem DDR-Comic. Unter der Überschrift „Märchen und Abenteuerliteratur in der Lesebiographie Lothar Drägers und ihre Verarbeitung im DDR-Comic zwischen 1957 und 1990“ entfaltet Kramer auf der Grundlage der in den vorhergehenden Kapiteln getroffenen Erläuterungen die fast unüberschaubare Vielfalt der durch Dräger zwischen 1957 und 1990 in das „Mosaik“ eingebrachten Quellen, wobei das Werk Karl Mays dominiert. Liegen zur May-Rezeption unter dem Gesichtspunkt der Produktionslenkung in der DDR inzwischen umfängliche Untersuchungen vor, so erläutert Kramer erstmals, welchen Einfluß Mays Werk – auch über „Mosaik“; aber natürlich selbiges als Schwerpunkt, hinaus – auf in der DDR produzierte Texte der Unterhaltungsliteratur hatte. Unter Berücksichtigung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Vita vergleicht Kramer dabei die Umstände und Art der Verarbeitung Mays durch den Autor Lothar Dräger mit den Einflüssen Karl Mays auf den Autor einer der weltweit erfolgreichsten Heftchenserien, Jerry Cotton, Heinz Werner. Damit zeigt Kramer Ähnlichkeiten literarischer Sozialisation bei deutschen Unterhaltungsautoren – bis hin zu westdeutschen Serien wie Perry Rhodan – auf, und weist am Beispiel der umfangreichen Recherchen Höbers und Drägers für ihre Texte den bislang in der Forschung wohl kaum vermuteten Aufwand beim Verfassen erfolgreicher Trivialliteratur nach. Im Rahmen eines zwanzigseitigen Exkurses demonstriert Kramer die Folgen der Drägerschen Lektüre von Heftserien (Rolf Torring; Jörn Farrow u.a.) der dreißiger und frühen vierziger Jahre für seine spätere Tätigkeit beim „Mosaik“. Damit im Zusammenhang unterzieht Kramer diese Serien selbst gleichzeitig erstmals einer Analyse hinsichtlich reichlicher Anleihen bei deutscher (v.a. May) und internationaler (v.a. Edgar Wallace) Spannungsliteratur, und betrachtet sie als Teil internationaler Entwicklungen von Pulp- und Comic-Literatur. Das Unterkapitel 4.3.6 zeigt u.a. anhand der Einschätzung der Persönlichkeit Thea von Harbous und der Verwendung von Motiven ihrer Filme wie „Der Tiger von Eschnapur“ oder „Das indische Grabmal“ durch Dräger die jahrzehntelange Dominanz – und damit Propagierung – eines konservativen Frauenbildes in „Mosaik“; und demonstriert weiter am Beispiel der Reflexion indischer Kultur und Geschichte durch DDR-Medien, u.a. auch in „Mosaik“; die Einbindung in die Propagierung außenpolitischer Zielstellungen. Kapitel 4.2.9 diskutiert, ausgehend von de
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