
von Astrid Kvalbein
In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Welt ein neues ökonomisches Fundament gefunden – und es liegt im menschlichen Verstand selbst. Astrid Kvalbeins Roman „Miete für den Verstand" entführt uns in eine erschreckend plausible Gesellschaft, in der Träume, Fantasien und Tagträume unter Lizenzrecht fallen. Wer ohne Genehmigung von Tiefsee-Abenteuern träumt oder sich ein Raumschiff vorstellt, das nicht dem eingetragenen Design eines Konzerns entspricht, riskiert saftige Bußgelder. Im Mittelpunkt steht Mira, eine Sachbearbeiterin bei einer Behörde, die Lizenzverfehlungen des menschlichen Vorstellungsvermögens prüft und ahndet. Ihr Alltag besteht aus Stempeln, Dringlichkeitsstufen und streng kategorisierten Akten – bis eines Tages eine bestimmte Haushaltsnummer ihren Blick festhält. Eine Akte, die sie zunächst unter den Stapel schiebt. Denn die Adresse kennt sie auswendig. Zu Hause wartet ihr sechzehnjähriger Sohn Dani. Er zeichnet Raumschiffe, die kein Unternehmenslogo tragen. Er antwortet auf ihre Fragen mit einer Knappheit, die schwerer wiegt als lange Sätze. Und zwischen den beiden liegt ein stiller, wachsender Riss – zwischen dem, was erlaubt ist, und dem, was man sich trotzdem nicht nehmen lassen will. Kvalbein erzählt diese Geschichte mit bemerkenswerter sprachlicher Präzision. Kleine Gesten tragen großes Gewicht: ein gefallener Kugelschreiber, ein Blatt Papier auf dem Küchentisch, ein Becher Milch, der schon bereitstand, bevor man daran dachte. Die Autorin braucht keine lauten Töne – die Beklemmung entsteht ganz leise, aus dem Alltäglichen heraus. „Miete für den Verstand" ist ein Roman über Überwachung und Resignation, über das, was bleibt, wenn Kreativität zur Steuerpflicht wird – und über die Frage, wie weit eine Mutter gehen würde, um das letzte freie Stück ihres Kindes zu schützen.
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Maße: 20.5 x13.5 x20.5 cm
Bester Preis
Ab 13,90 €