
Alfred Schirokauers "Mirabeau: Historischer Roman" entwirft das Porträt Honoré Gabriel Riquetis, Graf von Mirabeau, als widersprüchliche Gestalt am Vorabend und im Zentrum der Französischen Revolution. Der Roman verbindet politische Ereignisgeschichte mit psychologischer Charakterzeichnung: höfische Intrige, parlamentarische Rhetorik und private Leidenschaft erscheinen als untrennbare Kräfte einer Epoche im Umbruch. Stilistisch steht das Werk in der Tradition des deutschsprachigen historischen Romans der Zwischenkriegszeit, der Geschichte nicht bloß rekonstruiert, sondern als Drama von Macht, Geist und moralischer Ambivalenz deutet. Schirokauer, 1880 in Breslau geboren, war Jurist, Erzähler, Dramatiker und Drehbuchautor; seine literarische Arbeit verrät daher gleichermaßen Sinn für historische Argumentation, szenische Zuspitzung und erzählerische Ökonomie. Als deutsch-jüdischer Autor einer politisch erschütterten Zeit interessierten ihn Figuren, die zwischen gesellschaftlicher Ordnung und revolutionärem Anspruch stehen. Mirabeau bot ihm den idealen Stoff: ein Mann von genialer Beredsamkeit, kompromittierter Biographie und tragischer politischer Doppelbindung. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die historische Romane mit intellektuellem Anspruch schätzen. Es bietet keine bloße Kostümgeschichte, sondern eine reflektierte Annäherung an Revolution, Charisma und Verantwortung. Wer verstehen möchte, wie politische Größe aus innerem Widerspruch entstehen kann, findet hier eine fesselnde und gelehrte Lektüre.
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