
von Daniel Defoe
Daniel Defoes Moll Flanders (1722) entfaltet in fingierter Autobiographie das rastlose Leben einer Frau, die zwischen Armut, Verführung, Ehepolitik, Diebstahl, Deportation und spätem Bußgestus um soziale Selbsterhaltung ringt. Der nüchterne, protokollarische Stil verbindet pikareske Erzähltradition mit frührealistischer Beobachtung; die illustrierte Ausgabe schärft zusätzlich den Blick für Milieu, Kleidung und städtische Räume des frühen 18. Jahrhunderts. Hinter der Abenteuerhandlung steht eine präzise Analyse von Ökonomie, Geschlecht und Moral in einer kommerzialisierten Gesellschaft. Defoe, Kaufmann, Publizist, politischer Pamphletist und Dissenter, kannte Kredit, Bankrott, Gefängnis und die Unsicherheit bürgerlicher Existenz aus eigener Erfahrung. Seine journalistische Schulung erklärt die dokumentarische Genauigkeit, mit der er Lebensläufe, Rechtspraktiken und soziale Masken darstellt. Moll Flanders erscheint so als literarische Verdichtung von Defoes Interesse an Arbeit, Risiko, religiöser Selbstprüfung und den Ambivalenzen des aufsteigenden Kapitalismus. Empfohlen sei dieses Buch allen Leserinnen und Lesern, die nicht nur einen spannenden Kriminal- und Lebensroman suchen, sondern die Entstehung des englischen Romans verstehen möchten. Die Ausgabe bietet einen zugänglichen, zugleich anspruchsvollen Zugang zu einem Klassiker, dessen Fragen nach Identität, Schuld und Überleben bemerkenswert gegenwärtig bleiben.
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