
von Charles Dickens
Charles Dickens' "Nikolas Nickleby" entfaltet als weit ausgreifender Gesellschaftsroman die Geschichte eines jungen Mannes, der nach dem Tod des Vaters zwischen familiärer Pflicht, ökonomischer Not und moralischer Selbstbehauptung seinen Weg sucht. Im Zentrum stehen die brutalen Zustände in privaten Internatsschulen, die Ausbeutung der Armen und die Korruption einer von Geldinteressen beherrschten Gesellschaft. Dickens verbindet melodramatische Spannung, satirische Schärfe und komische Nebenfiguren mit einer episodischen Erzählstruktur, die auf die Fortsetzungsveröffentlichung verweist und zugleich den viktorianischen Roman entscheidend mitprägt. Dickens, selbst früh mit Schulden, Kinderarbeit und sozialer Unsicherheit konfrontiert, schrieb aus genauer Kenntnis jener Institutionen, die er literarisch angriff. Seine Erfahrungen als Journalist, Beobachter Londons und Chronist sozialer Missstände verliehen ihm ein besonderes Gespür für Klassenverhältnisse, Sprachregister und öffentliche Heuchelei. "Nikolas Nickleby" zeigt daher nicht nur erzählerische Erfindungskraft, sondern auch Dickens' reformerischen Impuls: Literatur wird hier zum moralischen Instrument gesellschaftlicher Aufklärung. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die einen zugleich unterhaltsamen und analytisch ergiebigen Klassiker suchen. Wer Dickens' Kunst der Charakterzeichnung, seine Empathie für Bedrängte und seine scharfe Kritik an institutionalisierter Grausamkeit verstehen möchte, findet in "Nikolas Nickleby" einen idealen Zugang.
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