
Diese Sammlung vereinigt in 66 Romanen und Erzählungen das erzählerische Werk Ödön von Horváths in seiner ganzen Spannweite: Beobachtungen aus Kleinbürgertum, Provinz, Großstadt und politisch vergifteter Zwischenkriegszeit. Horváths Prosa verbindet die Nüchternheit der Neuen Sachlichkeit mit einer hellhörigen, oft bitter ironischen Sprachkritik. Hinter scheinbar alltäglichen Gesprächen treten soziale Angst, moralische Selbsttäuschung und die Verführbarkeit des Einzelnen hervor. Ödön von Horváth, 1901 in Fiume geboren und in der vielsprachigen Welt der untergehenden Habsburgermonarchie aufgewachsen, kannte Entwurzelung, Grenzräume und wechselnde Identitäten aus eigener Erfahrung. Seine Jahre in München, Berlin und Wien, die Beobachtung von Arbeitslosigkeit, Nationalismus und autoritärem Denken, prägten seine literarische Diagnose einer Gesellschaft, die ihre Gewalt hinter Redensarten verbirgt. Der frühe Tod 1938 in Paris verlieh seinem Werk eine schmerzliche historische Geschlossenheit. Dieser Band empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Horváth jenseits seiner berühmten Dramen entdecken wollen. Er bietet ein Panorama moderner europäischer Prosa: präzise, unpathetisch, komisch und erschütternd. Wer verstehen möchte, wie Sprache Bewusstsein formt und wie Geschichte in private Schicksale eindringt, findet hier eine eindrucksvolle, unverzichtbare Lektüre.
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