
Orthodoxie ist G. K. Chestertons geistige Autobiographie und zugleich eine glänzend paradoxe Apologie des christlichen Glaubens. Ausgehend von der Erfahrung moderner Skepsis entwickelt er keine systematische Dogmatik, sondern eine Folge essayistischer Argumente, Bilder und Gegenbilder. Sein Stil verbindet Witz, Polemik, Märchenlogik und philosophische Schärfe; im Kontext der edwardianischen Moderne antwortet das Buch auf Materialismus, Relativismus und einen Fortschrittsglauben, der dem Menschen die Welt erklärt, aber ihr Staunen nimmt. Chesterton, Journalist, Literaturkritiker und Meister des pointierten Essays, schrieb aus der Position eines Suchenden, der die Orthodoxie nicht als ererbte Enge, sondern als überraschend weiten Raum entdeckte. Seine Beschäftigung mit Kunst, Politik, Detektivliteratur und sozialen Fragen prägte seinen Blick auf Vernunft und Imagination. Gerade weil er die intellektuellen Moden seiner Zeit kannte, konnte er ihre inneren Widersprüche mit ungewöhnlicher Heiterkeit freilegen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die religiöse Argumentation nicht als trockene Beweisführung, sondern als intellektuelles Abenteuer verstehen möchten. Es fordert Zustimmung und Widerspruch gleichermaßen heraus und bleibt durch seine sprachliche Energie erstaunlich gegenwärtig. Wer die geistigen Konflikte der Moderne, die Verteidigung des Wunders und die Würde des gesunden Menschenverstandes erkunden will, findet hier einen Klassiker von bleibender Provokationskraft.
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