
In "Pan Wolodyjowski: Der kleine Ritter" vollendet Henryk Sienkiewicz seine große Trilogie über die polnisch-litauische Adelsrepublik des 17. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Michal Wolodyjowski, der unscheinbare, doch meisterhafte Degenkämpfer, dessen private Liebesgeschichte untrennbar mit den Kämpfen gegen Tataren und Osmanen verbunden ist. Sienkiewicz verbindet historisches Panorama, Abenteuerroman und elegische Heldendichtung; sein Stil ist anschaulich, dramatisch und von patriotischer Rhetorik getragen, ohne die Melancholie eines bedrohten Gemeinwesens zu verschweigen. Sienkiewicz, 1846 im damals geteilten Polen geboren und 1905 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, schrieb aus der Erfahrung nationaler Ohnmacht. Seine historischen Romane sollten einer lesenden Öffentlichkeit Erinnerung, Würde und moralische Standhaftigkeit vermitteln. Die Gestalt des "kleinen Ritters" erlaubt ihm, Größe nicht an sozialem Rang oder Körperkraft, sondern an Treue, Selbstbeherrschung und Opferbereitschaft zu messen. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Erzählkunst mit geistiger Tiefe suchen. Wer sich für osteuropäische Geschichte, ritterliche Ethik und die literarische Konstruktion nationaler Identität interessiert, findet hier ein bewegendes, farbenreiches und zugleich nachdenkliches Werk.
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