
Die Philosophischen Werke versammeln Moritz' zentrale Beiträge zu Ästhetik, Anthropologie und Erfahrungsseelenkunde. In einer Prosa, die begriffliche Präzision mit psychologischer Beobachtung verbindet, entfaltet Moritz Fragen nach Schönheit, Nachahmung, Selbstbewusstsein und innerer Erfahrung. Zwischen Aufklärung und Frühromantik stehend, lösen diese Texte die Philosophie von bloßer Systematik und führen sie an Literatur, Kunsttheorie und moderne Subjektanalyse heran. Karl Philipp Moritz (1756-1793) war Schriftsteller, Pädagoge, Journalist und Professor der Altertumskunde in Berlin. Seine Herkunft aus bedrängten pietistischen Verhältnissen, seine Tätigkeit als Lehrer und seine intensive Beschäftigung mit Seelenkunde prägten sein Denken. Der Autor des Anton Reiser suchte im Individuellen das Allgemeine: Leiden, Bildung, Einbildungskraft und Kunst wurden ihm zu Prüfsteinen einer Philosophie, die Erfahrung ernst nimmt. Diese Ausgabe empfiehlt sich allen, die Moritz nicht nur als Romancier, sondern als eigenständigen Theoretiker entdecken möchten. Sie eröffnet einen Zugang zu Denkbewegungen, die für Kantzeit, Weimarer Klassik und Romantik gleichermaßen bedeutsam sind, und zeigt, wie fruchtbar philosophische Reflexion sein kann, wenn sie aus genauer Selbst- und Weltbeobachtung hervorgeht.
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