
von Rainer Glawion, Markus Weiler u. a.
Immanuel Kants "Physische Geographie" erschließt die Erde nicht bloß als räumliche Anordnung von Ländern, Meeren, Klimaten, Pflanzen, Tieren und Völkern, sondern als geordnetes Erfahrungsfeld menschlicher Weltkenntnis. Aus Vorlesungen hervorgegangen, verbindet das Werk naturkundliche Beschreibung, historische Nachricht und aufklärerische Systematisierung. Sein Stil ist gelehrt, kompilatorisch und zugleich anschaulich; im literarischen Kontext des 18. Jahrhunderts steht es zwischen Reiseliteratur, Naturgeschichte und philosophischer Anthropologie. Kant, der Königsberger Philosoph der Kritik der reinen Vernunft, war keineswegs nur Metaphysiker. Jahrzehntelang lehrte er Geographie und Anthropologie, weil er in ihnen eine notwendige Propädeutik zur Orientierung des Menschen in der Welt sah. Ohne selbst große Reisen unternommen zu haben, verarbeitete er Berichte, wissenschaftliche Beobachtungen und zeitgenössische Klassifikationen. Das Buch spiegelt daher Kants Bemühen, empirisches Wissen unter vernünftige Ordnung zu bringen. Empfohlen sei "Physische Geographie" allen Leserinnen und Lesern, die Kant jenseits der reinen Transzendentalphilosophie kennenlernen möchten. Das Werk zeigt die Breite aufklärerischer Wissenskultur und macht sichtbar, wie Naturbeschreibung, Menschenkunde und philosophische Orientierung ineinandergreifen. Trotz historischer Begrenzungen bleibt es ein faszinierendes Dokument gelehrter Weltaneignung.
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