
Ravensnest oder die Rothäute, der abschließende Roman der Littlepage-Trilogie, führt auf das Landgut Ravensnest im New York der 1840er Jahre, wo Erbschaft, Pachtwesen und politische Agitation in der Anti-Rent-Bewegung aufeinanderprallen. Cooper verbindet Familienchronik, Gesellschaftsroman und politisches Pamphlet: In nüchterner, oft polemischer Prosa prüft er die Grenzen demokratischer Gleichheitsrhetorik, wenn sie Eigentumsrechte und Rechtsstaatlichkeit bedroht. Der historische Titel und die Maskerade der "Rothäute" verweisen auf zeitgenössische, kritisch zu lesende Vorstellungen von Indigenität und politischer Verstellung. James Fenimore Cooper, 1789 geboren, war als Schöpfer des Lederstrumpf-Zyklus der bedeutendste Romancier der Vereinigten Staaten. Seine eigene Herkunft aus einer grundbesitzenden Familie im Staat New York, seine wachsende Skepsis gegenüber populistischer Presse und Mehrheitswillkür prägten diesen späten Roman. Die Anti-Rent-Unruhen berührten unmittelbar Fragen, die Cooper lebenslang beschäftigten: Zivilisation, Besitz, soziale Ordnung und die moralische Verantwortung republikanischer Bürger. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die Cooper jenseits des Abenteuerromans entdecken möchten. Ravensnest oder die Rothäute ist kein unproblematischer Text, aber gerade seine Spannungen machen ihn aufschlussreich: Er dokumentiert die politischen Ängste einer jungen Demokratie, die Rhetorik sozialer Reformen und die literarische Verteidigung konservativer Ordnung. Wer amerikanische Literaturgeschichte, Eigentumsdebatten und die Ambivalenzen des 19. Jahrhunderts verstehen will, findet hier ein bedeutendes, streitbares Dokument.
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