
Ravensnest oder die Rothhäute, der dritte Roman der Littlepage-Trilogie, verlegt Coopers historische Imagination in das New York der Anti-Rent-Unruhen der 1840er Jahre. Aus der Perspektive der Gutsfamilie Littlepage entfaltet der Roman Konflikte um Bodenrecht, Erbschaft, demokratische Rhetorik und soziale Ordnung. Der Stil verbindet Abenteuererzählung, politisches Pamphlet, satirische Gesellschaftsbeobachtung und moralische Reflexion; der Titel spielt ironisch mit Maskeraden weißer Aufständischer als "Indianer" und mit Coopers lebenslangem Interesse am Verhältnis von Zivilisation und Wildnis. James Fenimore Cooper (1789-1851), Sohn eines Landbesitzers und Gründers von Cooperstown, kannte die Spannungen zwischen Patrizierideal, republikanischer Gleichheit und ökonomischer Modernisierung aus eigener Erfahrung. Nach Seefahrt, Reisen in Europa und literarischem Ruhm durch die Lederstrumpf-Romane wandte er sich in seinen späten Werken zunehmend juristischen, historischen und gesellschaftspolitischen Fragen zu. Die Angriffe auf Eigentumsrechte und Institutionen während der Anti-Rent-Bewegung lieferten ihm den unmittelbaren Anlass. Empfohlen sei das Buch Lesern, die Cooper jenseits des reinen Waldläufermythos entdecken möchten. Ravensnest verlangt Aufmerksamkeit für seine konservative Argumentation, belohnt aber mit einem aufschlussreichen Dokument amerikanischer Selbstdeutung, in dem Fiktion, Zeitdiagnose und politische Theorie spannungsvoll ineinandergreifen.
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