
von August Sperl
August Sperls "Richiza" entfaltet das Schicksal der ottonisch-salischen Fürstentochter Richeza, die als Gemahlin Mieszkos II. zur Königin von Polen wird und zwischen dynastischer Pflicht, religiöser Bindung und politischer Gewalt bestehen muss. Der historische Roman verbindet höfische Intrige, Reichspolitik und persönliche Gewissensprüfung zu einem Panorama des 11. Jahrhunderts. Sperls Prosa ist getragen, quellenbewusst und bildkräftig; sie steht in der Tradition des deutschsprachigen Geschichtsromans, der Vergangenheit nicht bloß illustriert, sondern als moralischen Erfahrungsraum deutet. August Sperl, geboren 1862, war ein fränkischer Erzähler, Jurist und Kenner archivalischer Überlieferung, dessen Werk bevorzugt aus der Spannung von Landschaft, Herrschaft und Charakter lebt. Seine Nähe zu historischen Quellen und sein Interesse an den Formkräften des Mittelalters erklären die Wahl einer Gestalt, die deutsche und polnische Geschichte verbindet. In Richiza gestaltet er weniger eine Legende als die dramatische Lage einer Frau im Räderwerk europäischer Machtordnungen. Zu empfehlen ist dieser Roman Lesern, die historische Erzählkunst mit geistiger Ernsthaftigkeit suchen. Wer Mittelalter nicht als Kulisse, sondern als Geflecht von Glauben, Recht, Verwandtschaft und Staatsbildung verstehen möchte, findet hier eine anspruchsvolle, atmosphärisch dichte Lektüre. Richiza belohnt Geduld mit psychologischer Feinzeichnung und kulturhistorischer Tiefenschärfe.
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