
Romola entfaltet vor dem Panorama des Florenz der späten Renaissance eine vielschichtige Studie politischer, religiöser und moralischer Umbrüche. Im Zentrum stehen Romola de' Bardi, Tochter eines blinden Humanisten, und Tito Melema, dessen glänzende Anpassungsfähigkeit allmählich in Verrat und Selbstverrat umschlägt. George Eliot verbindet historische Gelehrsamkeit mit psychologischem Realismus: Savonarolas Predigten, republikanische Hoffnungen und humanistische Bildung bilden keinen bloßen Hintergrund, sondern den Resonanzraum einer viktorianischen Untersuchung von Gewissen, Pflicht und persönlicher Freiheit. George Eliot, das Pseudonym Mary Ann Evans', brachte in Romola ihre außergewöhnliche Kenntnis von Philosophie, Theologie, Sprachen und europäischer Geschichte zusammen. Ihre eigene intellektuelle Unabhängigkeit, ihr Bruch mit konventioneller Religiosität und ihre Erfahrung gesellschaftlicher Außenseiterschaft schärften den Blick für Figuren, die zwischen ererbten Bindungen und selbstgewählter Verantwortung stehen. Die Florentiner Vergangenheit wird so zum Spiegel moderner ethischer Konflikte. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Romane nicht als Kostümstück, sondern als ernsthafte Erkenntnisform schätzen. Romola verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit großer moralischer Tiefe, dichter Atmosphäre und einer Heldin von bemerkenswerter innerer Entwicklung.
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