
von Soo-Yeon Pak
In den Tiefen des Mars, vier Komma zwei Kilometer unter der Oberfläche des Valles Marineris, beginnt etwas, das keine bekannte Quelle hat, zu schwingen. Soo-Yeon Paks Debütwerk versammelt sechs eigenständige Geschichten, die alle in derselben unterirdischen Marskolonie spielen — einer Welt aus Bohrtunneln, Schichtprotokollen, schweigenden Monitoren und Menschen, die gelernt haben, auf den Rhythmus der Maschinen zu hören statt auf ihre eigene Erschöpfung. Es ist eine Kolonie kurz vor ihrem Ende, auch wenn niemand dieses Wort laut ausspricht. Was Pak in diesem Band entfaltet, ist kein lautes Science-Fiction-Spektakel. Stattdessen schreibt sie mit einer seltenen Präzision über das Innenleben von Menschen in extremer Isolation: Techniker, die Routinemessungen diktieren und dabei langsam bemerken, dass etwas nicht stimmt. Schichtleiterinnen, die Entscheidungen treffen, bevor sie die Konsequenzen kennen. Kolleginnen und Kollegen, die durch enge Wartungsschächte voneinander getrennt sind und trotzdem — oder gerade deshalb — aufeinander angewiesen bleiben. Jede Geschichte funktioniert für sich, und doch entsteht im Zusammenspiel aller sechs etwas Größeres: ein atmosphärisches Gesamtbild einer Gemeinschaft, die unter dem Gewicht des Schweigens und der Tiefe langsam in eine Krise gleitet. Pak schreibt in kurzen, präzisen Sätzen, die sich wie Protokolleinträge anfühlen — sachlich, kontrolliert — und gerade deshalb umso eindringlicher wirken, wenn die Kontrolle zum ersten Mal bricht. „Schläfer unter Valles Marineris" ist ein Buch für Leserinnen und Leser, die Science-Fiction als Literatur verstehen: als Ort, an dem das Menschliche unter Druck gesetzt wird, bis es sichtbar wird, was darunter liegt.
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Maße: 0.8 x13.5 x20.5 cm
Ab 12,49 €