
von Karl Holtei
Schwarzwaldau verbindet die Topographie eines schlesischen Ortes mit der inneren Landschaft von Angst, Verdacht und Schuld. Als Psychokrimi interessiert der Text weniger an bloßer Aufklärung als an den seelischen Mechanismen, durch die ein Verbrechen gesellschaftliche Ordnung, Erinnerung und Gewissen zersetzt. Holteis Stil ist erzählerisch anschaulich, dialogisch geschult und von jener Übergangszone zwischen spätromantischer Schauertradition, Biedermeier-Erzählkunst und frühem Realismus geprägt, in der Milieubeobachtung und moralische Analyse einander durchdringen. Karl von Holtei, 1798 in Breslau geboren, war Schauspieler, Theaterleiter, Rezitator und einer der produktivsten deutschsprachigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Seine Herkunft aus Schlesien, seine intensive Kenntnis regionaler Lebenswelten und seine Bühnenerfahrung prägen auch dieses Werk: Figuren treten plastisch hervor, Szenen besitzen dramatische Spannung, und das Lokalkolorit dient nicht als Schmuck, sondern als Erkenntnismittel. Holteis Interesse an menschlichen Abgründen dürfte aus genauer Beobachtung sozialer Rollen und Masken erwachsen sein. Empfohlen sei Schwarzwaldau allen Leserinnen und Lesern, die historische Kriminalliteratur nicht als Rätselspiel, sondern als psychologische und kulturgeschichtliche Untersuchung schätzen. Das Buch bietet Spannung, Atmosphäre und ein eindringliches Bild davon, wie Schuld in einer Gemeinschaft sichtbar wird.
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